Webseiten texten: Grundlagen für starke Webtexte

Webseiten texten: Grundlagen für starke Webtexte

Mit der deutschen Sprache hat es eine eigentümliche Bewandtnis: Sie gilt bei vielen erst dann als seriös und fundiert, wenn sie möglichst geschraubt daherkommt: mit langen Schachtelsätzen, raffinierten Einschüben, komplexen Satzkonstruktionen. Viele Experten und Unternehmen trauen sich gar nicht erst, sich verständlich auszudrücken.

Auf Ihrer Website müssen Sie aber so schreiben, dass der Leser Ihre Botschaft einfach und schnell erfasst. Er muss sich mit Ihren Inhalten beschäftigen, nicht mit Ihrer Satzarchitektur, mit schwerfälligen Wortungetümen oder exotischen Fremdwörtern. Sonst steigt er schneller aus, als Ihnen lieb ist.

Hier einige Grundlagen für gute Online-Texte:

TIPPS

Konkret.

Zeigen Sie dem Leser so deutlich wie möglich, was er von Ihrem Produkt zu erwarten hat. Konkretisieren Sie vage Aussagen, erklären Sie, was eine „maximale Ersparnis“, eine „höhere Verfügbarkeit“ oder eine „gesteigerte Effizienz“ für den Kunden bedeuten.

Nennen Sie Zahlen, bringen Sie Vergleiche, führen Sie Fallbeispiele und Testimonials an. Schreiben Sie besser „48 Prozent“ statt „fast 50 Prozent“. So führen Sie dem Leser seinen Nutzen so deutlich wie möglich vor Augen. Und allein dadurch haben Sie Ihrer Konkurrenz einiges voraus.

Bildhaft.

Ein guter Text ist nicht nur leicht erfassbar, sondern erzeugt auch starke Bilder im Kopf des Lesers. Und zwar solche, die positive und verkaufsfördernde Gefühle auslösen. Übersetzen Sie also abstrakte Begriffe oder Fremdwörter in eine bildhafte Sprache.

Beispiel Paartherapie:

Welcher Webtext spricht Sie mehr an? Wo fühlen Sie sich eher verstanden? Welche Therapeuten werden Sie anrufen?

„Mit Hilfe von Ansätzen aus Psychotherapie und Coaching kreieren unsere Therapeuten eine Beratungsatmosphäre, die die konstruktive Arbeit an Partnerschaftsproblemen sicherstellt und dieselben einer Lösung zuführt.“

oder

„Ihr Partner zieht sich in sein Schneckenhaus zurück? Sie zweifeln an Ihrer Beziehung? Ihr Eheleben ist grau in grau? Wir finden eine Lösung. Gemeinsam.“

Aktiv.

„Es wird dafür gesorgt werden, dass die Lieferung so schnell wie möglich zu Ihnen gebracht wird.“ Ähm – was?

Träge und schwer verständlich – so lesen sich die meisten Passivkonstruktionen. Außerdem wirken sie distanziert und unpersönlich. Schreiben Sie also lieber „Wir liefern so schnell wie möglich“. So kommen Sie dynamischer, motivierter und freundlicher rüber.

Kurz.

Der Leser versteht kurze Sätze – bis etwa 13 Wörter – besser und schneller. Trennen Sie deshalb lange Sätze in kurze Einheiten. Doch Vorsicht: Übertreiben Sie es nicht, denn eine Kette aus ultrakurzen Sätzen wirkt zu gehetzt.

Finden Sie die richtige Mischung für ein angenehmes Lesetempo. Sprechen Sie Ihre Sätze einfach mal laut vor sich hin und beobachten Sie, wie es um Verständlichkeit und Geschwindigkeit bestellt ist. Und fügen Sie – wenn nötig – zu kurze Sätze wieder zusammen.

Verständlich.

Der übermäßige Gebrauch von Fach- und Fremdwörtern zeugt nicht von Kompetenz, sondern von mangelnder Kundenorientierung. Errichten Sie deshalb keine unnötigen Barrieren zwischen sich und den Webbesuchern; texten Sie so, dass Sie nicht nur von Branchenexperten verstanden werden (und auch die freuen sich über leicht lesbaren Text).

Das heißt: Ersetzen Sie Fremdwörter so oft wie möglich durch den deutschen Ausdruck. Denn auch wenn viele Fremdwörter mittlerweile in den täglichen Sprachgebrauch eingegangen sind: Deutsche Wörter sind einfach verständlicher und erzeugen vor allem ein plastisches, erinnerbares Bild im Gehirn.

Ein paar Beispiele:

– Lage statt Situation
– untersuchen statt analysieren
– Werkzeuge statt Tools
– Aussichten statt Perspektiven
– einbauen statt installieren

Auch Abkürzungen machen Ihre Webseite schwerer verständlich – vor allem, wenn es sich um firmeninterne Kürzel handelt. Nicht jeder Arzt weiß zum Beispiel, dass es sich bei „PUV“ um eine „Praxisunterbrechungs-Versicherung“ handelt. Was in Ihrer Branche ein gängiges Kürzel ist, muss Ihrer Zielgruppe nicht unbedingt geläufig sein.

Dynamisch.

Vergleichen Sie mal:

„Die Durchführbarkeit der Marktdaten-Erhebung ist in der jetzigen Situation nicht mit Sicherheit zu eruieren.“

und

„Derzeit ist es nicht sicher, ob wir die Marktdaten erheben können.“

Die erste Variante klingt schwerfällig, getragen und unnötig aufgebläht. Die zweite Variante ist klar, dynamisch und schon beim ersten Durchlesen problemlos verständlich.

Vermeiden Sie daher Substantivierungen – also Nomen, die von Zeitwörtern abgeleitet sind und typischerweise auf folgende Silben enden:

-keit
-ung
-ion
-ät
-heit
-ismus

Dröseln Sie diese Hauptwörter auf, verwenden Sie stattdessen die entsprechenden Verben.

Aussagekräftig.

Was einem lebendigen Text außerdem nicht gut tut: „tote Verben“. Das sind blasse, sperrige, ausdruckslose Zeitwörter, die Sie besser durch treffendere Ausdrücke ersetzen.

Zum Beispiel:

– sich befinden
– aufweisen
– erfolgen
– durchführen
– vornehmen
– unterziehen

Schreiben Sie zum Beispiel statt „Wir unterziehen die Proben einer Untersuchung“ besser „Wir untersuchen die Proben“. Oder statt „Die Sitzung erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ besser „Die Öffentlichkeit war bei der Sitzung ausgeschlossen“.

Selbstbewusst.

„Wir möchten Sie gerne über weitere Einzelheiten informieren.“ Warum so zaghaft?

Werden Sie ruhig direkter: „Wir informieren Sie gerne über weitere Einzelheiten.“ Das kommt doch gleich selbstbewusster und zielgerichteter rüber.

Also: Verbannen Sie Hilfsverben und die Möglichkeitsform (Konjunktiv) so weit wie möglich aus Ihrem Webtext. Warum? Diese Zeitwörter sind blutleer und erzeugen keine Bilder im Kopf Ihrer Leser. Sie blähen den Text unnötig auf und wirken alles andere als aktiv, stark und direkt.

Setzen Sie die folgenden Wörter nur wohldosiert ein:

– würden
– sollen
– wollen
– dürfen
– müssen
– möchten
– können

FAZIT

Gute Webtexte fallen (leider) nicht einfach vom Himmel. Aber das müssen sie auch nicht. Nehmen Sie sich Zeit, überarbeiten Sie Ihre Textentwürfe wieder und wieder. Überprüfen Sie sie Schritt für Schritt auf Wort- und Satzsünden, holen Sie sich Unterstützung von Kollegen und Mitarbeitern.

Und der große Vorteil von Online-Texten ist ja, dass Sie sie jederzeit ändern können. Setzen Sie sich also nicht zu sehr unter Druck, wenn Sie zum ersten Mal Webtexte erstellen.

 
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